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Helnwein, Zitate

 

 


Zitate

 

ZITATE

über Gottfried Helnwein
von Gottfried Helnwein

 

 

Zitate über Gottfried Helnwein:

 

Helnwein ist einer der wenigen aufregenden Maler, die wir heute haben.

Norman Mailer
(1923 - 2007)

 

Die Funktion des Künstlers besteht darin, die Erfahrung eines überraschten Erkennens wachzurufen: dem Betrachter zeigen, was er weiß, von dem er aber nicht weiß, dass er es weiß. - Helnwein ist ein Meister dieses überraschten Erkennens.

William S. Burroughs
(1914 - 1997)
Aus dem Essay Helnwein's Work
1992

 

Wie hält ein freundlicher Mensch wie Helnwein es aus, seine exzellente - Malerei zum Spiegel der Schrecken des Jahrhunderts zu machen? Oder hält er es einfach nicht aus, das nicht zu tun?
Reflektiert sein Spiegel nur die Jahrhunderthaltung, LIEBER EIN SCHRECKEN OHNE ENDE ALS EIN ENDE MIT SCHRECKEN...

Heiner Müller
(1929 - 1995)
Aus dem Essay Black Mirror
1988

 

Die Welt ist ein Geisterhaus und Helnwein ist zuweilen unser Tour Guide darin.
Ich denke, dass jedes wirklich relevante und emotionale Kunstwerk eine Art Spiegel ist, den die Menschen wahrnehmen. Ich glaube nicht, dass du etwas empfinden kannst bei einer Sache, die du betrachtest, wenn sie nicht Teil deiner Selbst ist. So ist das wenn jemand bereit ist, die Traurigkeit, die Ironie, die Hässlichkeit und die Schönheit auf sich zu nehmen, wie Gottfried Helnwein es tut.
Nicht alles von seiner Arbeit befindet sich auf der Leinwand. Vieles davon ist die Art und Weise, wie er an das Leben herangeht. Und man muss ihn nicht persönlich kennen um das zu wissen. Du musst nur einen Blick auf seine Bilder werfen und du weisst, "dieser Typ hat etwas erlebt." Du kannst nicht im Kämmerchen sitzen und so etwas schaffen. Ein Werk auf diesem Niveau muss man sich verdienen.
Wenn Du jemanden in der Kunst entdeckst, sei es in deinem eigenen oder in einem anderen Medium, der die Latte für dich höher legt, so belebt er von neuem dein Streben, Menschen zu rühren, durch das was wir als eine gemeinsamen Saite in uns teilen. Sei es durch Bilder, Worte oder Töne.
Als Künstler ist meine stärkste Reaktion auf auf das Werk Helnweins, dass es mich herausfordert, besser zu sein in dem was ich tue. Es gibt wenige Menschen, die vollkommene Kompetenz erreicht haben in dem was sie tun. Und ich denke, Gottfried Helnwein ist einer dieser Menschen.

Sean Penn
in dem Film Neunter November Nacht
2003

 

Es gibt gewichtige Gründe, um Helnwein als den legitimen Erben Beuys und Warhols zu bezeichnen. Einerseits folgt er in seinen Werken rituellen Mustern, andererseits spielt er mit einer Reihe von künstlerischen Variationen. Er untergräbt die Magie der Bilderwelt, indem er einen Störfaktor einbaut, durch den ein Schock im Verhältnis zwischen dem Kunstwerk und dem Betrachter entsteht. Helnwein vermischt Altes mit Neuem, und sein Stil spiegelt den Beginn der Moderne, aber auch die Welt des Cyberspace wieder.

Klaus Honnef
Rheinisches Landesmuseum, Bonn
The Subversive Power of Art: Gottfried Helnwein - A Concept Artist Before the Turn of the Millenium
2003

 

Warhol ist der Prä-Helnwein...

Dieter Ronte
Direktor, Museum für Moderne Kunst, Wien
Profil, 1984

 

Technische Meisterschaft und auch die Konsequenz einer packenden sozialkritischen Thematik offenbaren sich in dieser Ausstellung (Lentos Museum of Modern Art Linz): Gewalt, Schmerz, Verletzung werden dargestellt. Den Körper ebenso wie die Psyche betreffend. Helnwein dokumentiert hier einen künstlerischen Reifegrad, der eine weitere Steigerung kaum vorstellbar macht. Seine Eingriffe sind von einer schmerzhaften Unmittelbarkeit, deren emotionale Energie weit über die großen Bildformate hinaus den Raum und sein Publikum ergreift.

Irene Judmayer
Oberösterreichische Nachrichten
Von Der Faszination des Grauens
9. März 2006

 

Wenn man in der österreichischen bildenden Kunst der letzten fünfzig Jahre jemanden als Star bezeichnen möchte, dann kommt, unter Berücksichtigung aller Kennzeichen, nur einer in Betracht: Gottfried Helnwein.

Stella Rollig
Lentos Museum of Modern Art Linz, 2006

 

In der bewegten Kunst - und Skandalgeschichte der österreichischen Moderne von Schiele, Gerstl, Schönberg und anderen bis zur "Wiener Aktionsgruppe" wird man Helnwein einen gebührenden Platz zuweisen.

Peter Gorsen
Professor für Kunstgeschichte, Wien

 

Helnwein ist mein Mentor. Sein Kampf für den freien Künstlerischen Ausdruck und seine Haltung gegen jede Form von Unterdrückung sind die Gründe warum ich ihn als künstlerischen Partner ausgesucht habe. Ein Künstler der nicht provoziert, bleibt unsichtbar. Kunst, die keine starken Emotionen auslöst, ist bedeutungslos. Helnwein hat das verinnerlicht.

Marilyn Manson
Interview, Evie Sullivan
Inrock, Japan, 15. July 2004

 

Ihre Bilder haben in mir sehr tiefe Eindrücke hinterlassen. Um ehrlich zu sein - sie haben mich schockiert. Ich habe lange darüber nachgedacht und schlussendlich gefunden, dass es wichtig ist, dass Menschen mit derartigen Bildern konfrontiert werden und damit auch zum Nachdenken angeregt werden.

Elisabeth Gehrer
Ministerin für Unterricht und Kunst, Österreich
1999

 

Immer ist es eine Art von Vorsicht und außerordentlich großer Sensibilität, die gleichzeitig gekoppelt und kontrastiert wird mit diesem unglaublich intensiven Ausdruck von Schmerz, Verletzung, Zerstörung, Bedrohung, Alptraum, Nachtgesichtern, und Traumfantasie. Diese Mischung, das ist Gottfried Helnwein, er war nie nur das eine.

Antje Vollmer
Vize-Präsidentin des deutschen Bundestages
Rede zur Ausstellungseröffnung Gottfried Helnwein - Beautiful Children
Ludwig Museum Schloss Oberhausen
19. Juni 2005

 

Schon 1963 malten ein Künstlerkollege und ich uns die schaurige Zukunft eines freischaffenden Künstlers aus. Es ging bei dem Gespräch weniger um die Finanzen als um die Notwendigkeit des sich bis ins Tiefste Fallenlassenmüssens. Ich kam damals auf die Idee, so etwas wie ein "Konditionstraining für Genies" zu erfinden. Rückblickend muss ich sagen, dass ich ganz wenige Künstler kenne, die dieses imaginäre Trainingsprogramm durchgehalten haben. Einer von ihnen ist Gottfried Helnwein.

Wolfgang Bauer
Österreichischer Schriftsteller und Dramatiker

 

Einer erstellt die summe seiner beobachtungen in dieser welt der patzer und dämonen.
er vernimmt die schreie aus den gekachelten schreckträumen abseits einer satten gesellschaft, die weder mit dem laub der bäume noch mit dem grün der laubfrösche noch mit den froschaugen des miterlebens zu schaffen haben will.
er aber hört manche, die da schreien bis ihnen die gehirne zerspringen wie lichtjahre, und hört andere, still vor sich hinweinende, deren tropfende tränen eines noch-hoffens mit dem abscheulichen eisskalpell der hoffnungslosigkeit seziert werden.

H.C.Artmann
Österreichischer Schriftsteller

 

Die stärksten Bilder, die sich mit dem Themen Nationalsozialismus und Holocaust beschäftigen, stammen von Anselm Kiefer und Gottfried Helnwein, und obwohl sich die Arbeit Kiefers wesentlich von der Helnweins unterscheidet, sind doch beide Künstler gleichermaßen geprägt durch die persönliche Erfahrung des Aufwachsens in einem deutschsprachigen Land der Nachkriegszeit.
William Burroughs hat gesagt, dass die Amerikanische Revolution in den Büchern und in der Musik beginnt. Dazu können wir möglicherweise die Bildende Kunst hinzufügen. Und Helnweins Kunst könnte über die Kapazität verfügen, Veränderung zu initiieren, indem sie den Deckmantel der political correctness durchstößt, und die der Kunst innewohnende primitive Geste wieder zurückerobert.

Mitchell Waxman
Jewish Journal, Los Angeles
Juli, 2004

 

Gottfried Helnweins jüngste Ausstellung "Face it!" im Lentos Museum of Modern Art in Linz ist schockierender als die berüchtigte Royal Academy' Ausstellung "Sensation" im Jahr 1997. Helnwein zielt nicht darauf ab mit, sagen wir mit einer Elefanten-Kot Madonna zu beunruhigen, wie Chris Ofili es getan hat, sondern mit einer bei weitem kontroverseren Jungfrau Maria.
Von allen seinen Bildern ist " Epiphany I (1996) das am meisten verstörende, mit dem er
tief in unsere kollektive Erinnerung an die berühmteste Geburt des Christentums eintaucht. Diese österreichisch katholische Krippenszene hat keine Geschenke darbringenden Weisen aus dem Morgenlande. Maria und das Kind sind von fünf respektvollen SS -Offizieren umringt, offensichtlich in Bewunderung vor der idealisierten kitschig-blonden heiligen Jungfrau. Das Christkind welches auf Marias Schoss steht, starrt trotzig aus der Leinwand. Helnweins Jesusknabe ist Adolf Hitler.

New Statesman, UK
Julia Pascal
NAZI Dreaming
10. April 2006

 

Gottfried Helnwein is the world's Finest Artist.

Carl Barks
Comic-artist
creator of Donald Duck and Duckburg

 

Gottfried Helnwein is a genius!

Arnold Schwarzenegger
Governor of California

 

Gottfried is a genius, and possibly my favorite living artist.

Roger Avary
director, writer, producer
Co-writer of Pulp Fiction

 

Helnwein is a genius with a great feeling for the closeness of love and death.

Maximilian Schell
Interview, Los Angeles Times
2005

 

Helnwein is a very fine artist and one sick motherfucker.

Robert Crumb

 

Helnwein hat den "ruhig theatralischen" Verzückungsgestus seines Selbstbildnisses mit der heroischen Haltung der leidenden Sebastians-Figur verglichen und beides zum Stigma des Künstlers im 20. Jahrhundert, einer quasi religiösen Erlöserfigur, verallgemeinert.
Sein poetischer Bildtitel bringt den Betrachter zusätzlich auf die richtige Spur. Die optische Montage des modernen Künstlers als Schmerzensmann mit dem Landschaftsbild Friedrichs projiziert die gescheiterte Hoffnung der romantischen Rebellion auf die Gegenwart, auf das verinnerlichte, masochistisch gewordene Protestdenken der Moderne und ihre ästhetischen Grenzüberschreitungen.
Kehrt die Romantik wieder? Nein, sie hat die Moderne in Wahrheit nie verlassen. Doch verengt und verinnerlicht sich ihre Rebellion in den irrationalen "Körpermetaphysiken" der zeitgenössischen Künstler auf das eigene Fleisch und Blut.

Frankfurter Allgemeine Zeitung
Peter Gorsen
Der Künstler als Märtyrer, Die suggestiven Bildmontagen Gottfried Helnweins
18. April 1987

 

Man kann sehen, dass der Wiener Helnwein in einer bis ins 18. Jahrhundert zurückreichenden Tradition steht, der auch die grimassierenden Skulpturen des Bildhauers Messerschmidt angehören, die Gegenstand einer langen Abhandlung eines Freud-Schülers waren. Man sieht auch die Verbindungspunkte dieser Arbeit mit den Arbeiten von Arnulf Rainer oder von Nitsch, zweier anderer Wiener, die ihren eigenen Körper im Zusammenhang mit Verletzung, Schmerz und Tod in Szene setzen. Man sieht, wie diese Faszination der Körpersprache auf den expressiven Gestus im Werk Egon Schieles zurückgreift.

Roland Recht
Direktor, Musée d’Art Moderne, Strasbourg
1987

 

Es läßt sich schwerlich leugnen, daß die Aggressions- und Verletzbarkeitssymbolik von Helnweins bekanntem, mehrfach variierten Selbstportrait mit verbundenem Kopf, den von Wundklammern geblendeten Augen und dem aufgerissenen schreienden Mund etwas von einer selbstevidenten Metapher für eine elementare menschliche Bedingung heutiger Existenz hat.

Klaus Albrecht Schröder
Direktor der Albertina Wien
Das Vordergründige ist das Abgründige, Helnweins Beitrag zu einer Hagiographie des 20.Jahrhunderts
1987

 

Gottfried Helnweins ist der Künstler der inneren Aufruhr. Seine Arbeiten der 80er Jahre werden in erster Linie durch die Selbstportraits seiner "Black Mirror" Serie repräsentiert. Allerdings reichen diese Arbeiten weit über die Grenzen des gewöhnlichen Selbstportraits hinaus. Sie reflektieren die inneren Bedürfnisse und die Verzweiflung, die im eigenen Selbst des Betrachters liegen. Er zeigt die neue Form des modernen Selbstportraits auf, welches den Schöpfer und den Betrachter gleichermassen einbezieht.

Toshiharu Ito
MIZUE, art magazine, Tokyo, Japan
The Black Mirror, the World of Gottfried Helnwein
Artist of inner Turmoil.
1989

 

Die Zurschaustellung des eigenen Körpers als Verwesungsmasse beginnt mit den Selbstporträts von George Grosz als Suizidgestalt im Kaffeehaus und reicht über die wie durch den Fleischwolf gedrehten Konterfeis eines Francis Bacon bis hin zur Leichenfledderei am eigenen Leib bei Günter Brus, Kurt Kren oder Frank Tovey, dem jüngst verstorbenen Enfant terrible der experimentellen New-Wave-Szene der 1980er Jahre. Die Befreiung des melancholischen Bewusstseins durch den Tod bietet keine philosophische Perspektive mehr. Es ist ihm ohnedies schon anheim gefallen. Stattdessen wird der Suizid in einer Performance masochistischer Selbstverstümmelung kultisch sublimiert.
In einer fotografischen Inszenierung Gottfried Helnweins erhebt sich der Künstler, fäulnisschwarz und monumental wie das Mahnmal einer letzen Einsicht: “So ist Verzweiflung, diese Krankheit im Selbst, die Krankheit zum Tode. Der verzweifelte ist todkrank. Der Tod ist nicht das letzte der Krankheit, aber der Tod ist in einem fort das Letzte. Von dieser Krankheit erlöst zu werden durch den Tod ist eine Unmöglichkeit, denn die Krankheit und deren Qual und der Tod ist gerade, nicht sterben zu können.
So ist die Geschichte der Moderne nicht zuletzt auch eine Erfolgsgeschichte der Melancholie und des Eindringens ihres schwarzen Spuks in die letzten Paradiese des Seins- und Weltvertrauens.

Moritz Wullen
Leiter der Staatlichen Museen zu Berlin, Neue Nationalgalerie Berlin
Melancholie - Genie und Wahnsinn in der Kunst
2006

 

Wohl kein autoporträtatives Schaffen ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts derart mit einer expressiven Gesellschaftskritik, mit einer Anklage verbunden, wie das von Gottfried Helnwein. Der Künstler macht sich um einer schonungslosen Aussage willen zum schreienden, zum stellvertretend leidenden Objekt seiner Bilder: „Ich will mit meinen Bildern und Aktionen die Menschen aus ihrer Eingefrorenheit lösen, wenn auch nur eine Sekunde lang, will sie verunsichern und zu spontanen Reaktionen hinreißen. Verunsichern, aber nicht destruktiv. Die logische Denkfähigkeit soll zugunsten totaler Selbstöffnung kurz trocken gelegt werden“, stellte der österreichische Maler, Grafiker und Aktionskünstler Gottfried Helnwein zur Intention seines Werkes fest.
Helnweins Gemälde und Zeichnungen, die in der Tradition von Odilon Redon und Alfred Kubin stehen, zeigen mit hoher Suggestionskraft Szenarien von verletzten Menschen. Zunächst nur Kinder, dann auch Erwachsene in teils grotesken Posen, teils laut schreiend, teils in introvertierter Stille. Aber selbst wenn in ihnen nicht bildlich dargestellt geschrieen wird, so ist in den meisten Bildern ein stummer Aufschrei impliziert, der sich auf das ganze Werk überträgt.

Andreas F. Beitin
Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster

 

Es ist der Mensch, ausschließlich der Mensch, das menschliche Antlitz, der vom Leben gezeichnete Mensch. Es geht Helnwein nicht um die schöne Oberfläche des Gesehenen, nicht um ästhetischen Genuß an der Natur und um eine Bestätigung herkömmlicher ästhetischer Normen.
Sein Blick geht tiefer, genauer, unter die Oberfläche, hinter die Fassade. Und was er sieht, ist das, was wir nicht sehen wollen, was wir verdrängen und ausklammern möchten.

Gisela Fiedler-Bender
Direktorin des Landesmuseums in Mainz

 

Die Befreiung aus den Fesseln der Vergangenheit, der Rückzug in die Stille und Besinnlichkeit hat bei Helnwein einen Arbeitsrausch hoher schöpferischer Güte ausgelöst. Sensibler und leiser, aber um so intensiver und kraftvoll formuliert er sein Thema vom verletzten und verwundeten Menschen, von seinen Leiden, seiner Sprachlosigkeit und von seiner Einsamkeit.

Dorothea Eimert
Direktorin des Leopold-Hoesch-Museum, Düren

 

Helnwein hat über die Jahre einen einzigartigen Stil entwickelt und gilt heute als einer der Grössten der Welt.

Ron Wood
Gitarrist der Rolling Stones

 

Ich schätze Helnweins unendliche zeichnerische Qualität, seinen enormen künstlerischen Witz. Vom malerischen Können muß man gar nicht reden, da ist er Weltklasse. Außerdem ist Helnwein ein überaus intelligenter und unruhiger Geist. Ein Leben ohne Helnwein kann ich mir nicht vorstellen. Hoffentlich überlebt er mich.

Manfred Deix

 

Das innere Leuchten, das Helnwein der monochromen Malerei abgerungen hat, durchdringt die Figuren und Gegenstände seiner Bilder, scheint sie – wie wir es von Andachtsbildern kennen – zu erheben und zu transzendieren. Aber was wir auf diesen Bildern sehen, ist nicht das Heilsgeschehen; es sind apokalyptische Szenen. Helnwein zieht den Betrachter durch die glänzende, magisch wirkende Oberfläche in seine Bilder, aber er gestattet ihm nicht, sich darin gemütlich einzurichten, denn dies sind keine Andachts-, sondern Gedächtnisbilder. Ihr Leuchten soll die Bilder in unser Gedächtnis einbrennen.
„Wie macht man dem Menschen-Tier ein Gedächtnis? Man brennt etwas ein damit es im Gedächtnis bleibt: nur was nicht aufhört, wehzutun, bleibt im Gedächtnis“. - Friedrich Nietzsche


Peter Pachnike und Gisela Vetter-Liebenow
Ludwig Museum Schloss Oberhausen und Wilhelm Busch Museum Hannover
Essay zur Ausstellung Beautiful Children
März 2005

 

Karikatur ist nach Werner Hofmann, dem ehemaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle, "als Darstellungstyp eine sublimierte Form der Verletzung." Francisco de Goya gehört mit seinen Caprichos, besonders seinen "Desastres de la Guerra" deshalb ebenso dazu wie Käthe Kollwitz - oder Gottfried Helnwein. Die Arbeiten von Helnwein stehen aber auch in einer Linie mit den Kupferstichen eines William Hogarth. In der Mitte des 18. Jahrhunderts hat er seine "modern moral subjects", seine "modernen Sittenbilder" entworfen, die der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten haben - und Helnwein wie Hogarth haben eine subtile Balance zwischen ästhethischer Form und erschreckendem Inhalt gefunden.

Gisela Vetter-Liebenow
Wilhelm Busch Museum, Hannover
2005

 

Wenn wir von Helnwein sagen, er habe von aussen nach innen gemalt, dann heisst das,daß seine minutiöse und bohrend-insistierende Arbeitsweise, die die geschaute Wirklichkeit brutal interpretiert, eine hinter den Dingen im Verborgenen liegende Welt aufzudecken versucht.
Aus seinem Krisenbewusstsein, aus seiner Skepsis, aus der Qual des Beunruhigtseins, erwachsen Helnwein grauenerregende Bilder, sie geraten zum Peitschenhieb gegen einen aufgesetzten Positivismus, als dessen Treibfeder Profitdenken und Materialismus unserer hochgezüchteten Wirtschaftsgesellschaft verantwortlich zeichnen.
Aus einem intellektuellen Unbehagen gegenüber einem falsch verstandenen Fortschrittsglauben wählt der Künstler die Individualisierung, die sich dem weitgehend Unbekannten der Seele zuwendet. Helnweins Trauma einer kollektivistischen Gefährdung des Einzelmenschen lässt keine neutral wiedergebbahre Bilderwelt zu. Das gewohnte Erscheinungsbild des Menschen schlägt bei ihm um in ein Spiegelbild, das sich als Spaltbild, als eine Existenzstufe schmerzvoller Zerrissenheit des Kreatürlichen entlarvt. So erweist sich die geglaubte Wirklichkeit lediglich als Teilwahrheit.

Hubertus Froning
Curator, Folkwang Museum Essen
Gottfried Helnwein oder die Welt hinter den Dingen
1989

 

Als vor einigen Jahren Gottfried Helnweins Werke im Wiener Pressehaus vorgestellt wurden, protestierte der Betriebsrat. Von keiner Gesellschaft, von keiner Klasse, wird neue Kunst akzeptiert, immer nur von einzelnen. Stets gibt es anfänglich Widerstand, weil es in jeder etablierten Gesellschaft an kultureller Beweglichkeit fehlt, das Neue zu erkennen und akzeptieren. Bei Helnwein, der durch seine Bilder konventionelle Verletzlichkeit in einem ganz besonderen Maße provoziert, war die Ablehnung auch entsprechend extrem. "Blut- und Narbenmaler" nannte man ihn.
Er hat sich dennoch durchgesetzt. Heute ist Gottfried Helnwein weltbekannt und als Künstler entsprechend eingestuft. Die jetzige Ausstellung zeigt, dass er ein Suchender geblieben ist, einer der nach Sturm und Drang Extreme hinter sich gelassen hat, ohne künstlerische Kraft eingebüßt zu haben. Nach wie vor gilt seine Aussage: "Malen ist sich wehren. Immer eine Antwort auf etwas.

Hans Dichand
Kunstmäzen, Gründer und Herausgeber der Kronenzeitung
Malen Heisst Sich Weren. Immer Eine Antwort auf Etwas
Galerie Würthle, Wien
1987

 

Liegt es am Kulturangebot zwischen Sängerknaben und Sänger Wolfgang Ambros, den Malern Egon Schiele und Gottfried Helnwein, den Architekten Adolf Loos und Hans Hollein?
An den relativ billigen Karten für die teuerste Oper der Welt, an die teilweise herzerquickend skurrilen Museen, an der klug genährten Illusion, dass im musikalischen Wien jeder Spenglergeselle in einem Kammerorchester geige, jede Klosettfrau über Schönberg zu diskutieren wisse?

Inge Cyrus
Der Spiegel
Sag zum Aufbruch Leise Servus
SPIEGEL-Korrespondentin Inge Cyrus über das neue touristische Wien-Gefühl und den grossen Wien-Boom
08. Juli 1985

 

Die Stadt, die dem Wiener Schnitzel den Namen gab, zieht Besucher an wie nie zuvor - Kaiserselige und Trendsetter Pluhhars und Hellers, Helnweins und Holleins, Nennings und Bernhards. Sie alle rühren die Werbetrommel, und je depremierter und todessehnsüchtiger, je morbider und selbstzerfleischender sie ihr Lied auf ihre Stadt singen, desto grösser scheint die Anziehungskraft.

Anna Marohn
Vorm Steffl Ein Servus
10. Januar 1985
Zeitmagazin

 

 

 

 

 

Zitate von Gottfried Helnwein

 

 

Kunst ist für mich eine Waffe, mit der ich zurückschlagen kann.

Gottfried Helnwein
Interview , Marc Kayser
Quest, Kunstmagazin, Berlin,
März 2004

 

Ich wollte ja ursprünglich gar kein Maler werden, aber irgendwann habe ich eingesehen, dass Kunst wahrscheinlich die einzige Möglichkeit ist, sich gegen die Zumutumgen der Gesellschaft zu wehren und zurückzuschlagen. Kunst war für mich immer in erster Linie eine Waffe.

Gottfried Helnwein
Interview, Claudia Werner
Oberösterreichische Nachrichten
15. Februar 2006

 

Meine Kunst ist keine Antwort - sie ist eine Frage.

Gottfried Helnwein

 

Von Donald Duck habe ich mehr gelernt als in all den Schulen, in denen ich war.

Gottfried Helnwein
Donald Duck … und die Ente ist Mensch geworden
Katalog Carl Barks, Karikaturmuseum Krems
2007

 

Ich bin kurz nach dem Krieg geboren und habe noch den Atem des Todes gespürt. Obwohl bis in die 70er Jahre niemand über die Vergangenheit geredet hat, wusste ich von Kindheit an, dass da etwas war. Ich war wahrscheinlich ein äusserst nervendes Kind, denn ich habe ständig gebohrt und gefragt und nach und nach habe ich alles zusammengetragen, was ich über den Holocaust erfahren konnte, ich wollte jedes Detail darüber wissen.
Irgendwann bin ich mit meinen Recherchen in der Gegenwart gelandet und habe diese Polizeifotos von Kindern gesehen, oder was von ihnen übrig geblieben ist, nachdem sie von den Eltern zu Tode gefoltert wurden. Kein Anblick der Sie gut schlafen lässt. Das war der Moment, als ich beschlossen habe Künstler zu werden. Es schien mir der einzige Weg, mich diesem Thema zu nähern. Ich bin aus humanistischen Motiven Künstler geworden, nicht aus ästhetischen.

Gottfried Helnwein
Interview, Marc Fischer und Sven Michaelsen
Eine Tradition der Dunkelheit
Vanity Fair
26. Juni 2008

 

Kunst hat für mich den Auftrag, auf unsere Zeit zu reagieren. Und auf die Konflikte unserer Zeit. Kunst muss die Macht, die Kraft haben, in ihrer emotionalen Dimension jemanden zu berühren, zu verunsichern.

Gottfried Helnwein
Interview, Irene Judmayer
OÖNachrichten
24. November 2005

 

Ich glaube dass alle Arbeiten eines Künstlers im Grunde immer nur um ein einziges zentrales Anliegen oder Motiv kreisen. Und jedes Werk so etwas wie ein neuer, mehr oder weniger erfolgreicher Versuch ist, sich diesem Grundthema zu nähern, es sichtbar zu machen, zu fassen, zu formulieren, obwohl es im Prinzip immateriell, und daher nicht fassbar ist, und keine Form hat.

Gottfried Helnwein
Interview, Claudia Werner
Oberösterreichische Nachrichten
15. Februar 2006

 

Rein materialistisch gesehen, besteht Rembrandts "Nachtwache" aus winzigen Farbpigmenten, die vermischt mit brüchigen Harzen und eingetrockneten Ölen auf einem einem alten Stück Leinwand kleben. Der Rest ist Imagination, Illusion, Metaphysik.
Kunst kann man nur mit den Sinnen, der Seele und dem Herzen erfahren. Der logische, analythische Verstand bringt uns in der Kunst nicht sehr weit.

Gottfried Helnwein
Interview, Marco Zysset
BZ Berner Zeitung
19. Dezember 2008

 

Es geht in meinen Bildern immer um den Menschen - seine Verwundbarkeit, seine Schmerzen, womit ich mit meiner Arbeit eigentlich fest in der Tradition der abendländisch-christlichen Kunst stehe, die das Leiden des Menschen zum zentralen Thema gemacht hat. Aber mich interessiert auch die Wechselbeziehung zwischen Opfer- und Täterschaft, und die Fähigkeit des Menschen zur ständigen Verwandlung, was ich vor allem in den verschiedenen Metamorphosen und Verformungen der Köpfe und Gesichter zu formulieren versucht habe, für deren Darstellung ich meistens meinen eigenen Kopf verwendet habe. Nur in dem Projekt "The Golden Age" an dem ich mit Marilyn Manson gemeinsam gearbeitet habe, war es sein Kopf.

Gottfried Helnwein
Gespräch mit Peter Nedoma
Direktor der Galerie Rudolfinum Prag
2008

 

Die Lust, Gewalt an Wehrlosen auszuüben, war immer Teil der Menschheitsgeschichte. Und diese Gewalt war fast immer männlich. Wir verdanken diesem Teil der Menschheit eine nie unterbrochene Kette unbeschreiblicher Qualen und Grausamkeiten, von der Hexenverfolgung bis zum Massaker in My Lai. Vielleicht ist es ein Defekt, aber meine Verdrängungsmechanismen funktionieren diesbezüglich nicht so gut. Ich glaube es ist die Aufgabe des Künstlers, Zeuge seiner Zeit zu sein, diesen Wahnsinn festzuhalten und die Menschen daran zu hindern zu vergessen. Goya hat in seinen Zeichnungen und Radierungen die Gräuel des Krieges in all ihren entzetzlichen Einzelheiten dokumentiert, - in der wahrscheinlich vergeblichen Hoffnung, dass sich dadurch die Tragödie nicht immer wieder aufs neue wiederholen muss.

Gottfried Helnwein
Interview, Marc Fischer und Sven Michaelsen
Eine Tradition der Dunkelheit
Vanity Fair
26. Juni 2008

 

Mein Werk ist widersprüchlich, es hat Brüche. Und ich mache Sprünge. Ich kann gar nicht anders. Ich muss immer etwas riskieren, etwas Neues ausprobieren. Ich glaube mein Problem ist, dass ich zuviel sehe und wahrnehme. Manchmal wäre es mir lieber ich müsste vieles nicht sehen. Meine Arbeit ist für mich die einzige Möglichkeit auf den Wahnsinn zu reagieren der sich um uns herum abspielt.

Gottfried Helnwein
Interview, Thomas Trenkler
Ich Will Nicht als Voll Trottel Sterben, Sondern mit Würde
Parnass,
Kunstmagazin
Februar 2006

 

Ich bin besessen von der Idee herauszufinden in welcher Welt ich lebe. Ich beschäftige mich seit langem mit Geschichte, Philosophie, Politik und der Wirkungsweise der Massenmedien. Diese Suche nach der Wirklichkeit rührt von meiner Kindheit her, als ich eines Tages bemerkte, dass ich von allen ununterbrochen angelogen wurde. Ich kratze gerne an der Oberfläche, und ich will wissen was sich darunter verbirgt, ich will es genau wissen.

Gottfried Helnwein
Interview, Thomas Trenkler
Ich Will Nicht als Voll Trottel Sterben, Sondern mit Würde
Parnass,
Kunstmagazin
Februar 2006

 

Kunst ist die einzige Freiheit, die uns geblieben ist.

Gottfried Helnwein
1460 Antworten auf die Frage: Was ist Kunst?
Andreas Mäckler
DuMont Buchverlag, Köln, 2000

 

Ein Kunstwerk muss im Stande sein ein menschliches Wesen, auch ohne das geringste kunsttheoretische Wissen, emotional zu berühren, - auf welche Weise auch immer. Diesen Test muss jedes Kunstwerk bestehen.

Gottfried Helnwein
Interview, Marco Zysset
BZ Berner Zeitung
19. Dezember 2008

 

Kunst oder Künstler müssen sich in keiner Weise erklären. Kunst braucht keine Erläuterung und keine Rechtfertigung, Kunst ist mit rationalen oder naturwissenschaftlichen Methoden ohnehin nicht zu ergründen oder zu entschlüsseln.

Gottfried Helnwein
Interview, Marco Zysset
BZ Berner Zeitung
19. Dezember 2008

 

Wirkliche Kunst hat die Macht, beim Betrachter oder Zuhörer emotionale Bereiche zu öffnen, von denen er bis dahin gar nicht wusste, dass es sie gibt.

Gottfried Helnwein
Interview, Thomas Trenkler
Ich Will Nicht als Voll Trottel Sterben, Sondern mit Würde
Parnass,
Kunstmagazin
Februar 2006

 

Es ist ein alter Irrtum, zu denken, der Künstler hecke irgendwas aus, plane oder konstruiere etwas Raffiniertes, habe schlaue Ideen und wolle der Welt etwas Bedeutendes mit seinen Werken sagen. Alle Künstler, die ich kenne, arbeiten völlig intuitiv. Das Denken ist eigentlich kaum involviert, es spielt keine grosse Rolle im kreativen Prozess. Kunst kommt von woanders her.

Gottfried Helnwein
Interview, Marc Kayser
Kunstmagazin, Berlin
März 2004

 

Ich bin immer wieder überrascht, welche Reaktionen Bilder manchmal auslösen können: Die Menschen sind empört, beleidigt, peinlich berührt, verunsichert, verwirrt, und fühlen sich bedroht durch ein Stück Leinwand mit ein paar Milligramm Farbe darauf. Sie wissen sogar, dass das, was sie auf meinen Bilder sehen nur Fiktion ist. Und trotzdem: Im Fernsehen können sie Kriege, Morde, Folter und Tote ansehen, ohne ein Problem damit zuhaben. Von einem Stück Leinwand hingegen werden sie aus der Bahn geworfen.

Gottfried Helnwein
Interview, Thomas Trenkler
Ich Will Nicht als Voll Trottel Sterben, Sondern mit Würde
Parnass,
Kunstmagazin
Februar 2006

 

Das Erschreckende an der gegenwärtigen Kunstszene ist, dass sie komplett von den Ereignissen in der Welt losgelöst ist. Wenn man sich die gefeierten Künstler heute ansieht, so betreiben die meisten Nabelschau. Sie persiflieren andere Kunstwerke, der Insider-Gag dominiert. Wir leben in einer Endzeit, in der alles zusammenbricht, aber die Kunst reagiert nicht, - sie ist autistisch und isoliert. Das halte ich für katastrophal.

Gottfried Helnwein
Interview, Heinz Sichrovsky
Wir Leben in der Endzeit
News Magazin
07. März 2006

 

Los Angeles ist der aufregendste Ort an dem ich je gearbeitet habe, - ich habe mich noch nie so frei gefühlt. Diese Stadt ist ein Moloch in dem 140 verschiedene ethnische Gruppen leben und in der jede Form von Religion existiert, die der Mensch je erfunden hat, von der Church of Satan bis zu den Chassidischen Juden, die am Shabbat wie ihre gallizischen Vorfahren mit riesigen Pelz-Rädern und Kaftanen angetan mit ihren Kindern unter Californischen Palmen spazieren gehen. Es gibt die Viertel der Reichen, in denen man all die erstaunlichen Mutanten bewundern kann, die die chirurgische Schönheits-Industrie erschaffen hat, und ganze Strassenzüge in Downtown, in denen tausende Obdachlose leben, und wo diese verlorene Seelen Tag und Nacht , mit sich selbst schimpfend und wild gestikulierend, durch die Strassen irrlichtern. Diese Stadt ist wie eine offene Wunde, die niemand zu verbinden versucht. Sie ist der äusserste Vorposten einer untergehenden Zivilisation, und wenn Sie die unkaschierte Version der westlichen Welt "Now" sehen wollen, dies ist der Ort. Manchmal komme ich mir vor wie in ",Blade Runner", wo der Zusammenbruch aller Werte eine neue comic-haft, apokalyptisch-surreale Ästhetik gebiert. Wenn die Welt schon untergeht, will ich das offenen Auges erleben, bei vollem Bewusstsein, bis zum letzten Augenblick.

Gottfried Helnwein
Interview, Marc Fischer und Sven Michaelsen
Eine Tradition der Dunkelheit
Vanity Fair
26. Juni 2008

 

Im Atelier von Arno Breker standen überall Gips-Plastiken von Negern und Juden herum, die er nach dem Krieg hergestellt hatte. Eine heroisierende überlebensgroße Büste stellte einen beleibten Afrikaner in Uniform und vielen Orden dar. Ich fragte, wer das sei. „Das war der frühere Präsident der Elfenbeinküste“, antwortete er. „Der tauchte in den sechziger Jahren bei mir auf, legte seinen Arm um meine Schultern und sagte: ‚Breker, kommen Sie zu mir an die Elfenbeinküste. Ich werde Ihr zweiter Hitler sein". Breker sollte eine neue Hauptstadt entwerfen, was dieser auch sofort tat. Er zeigte mir das Gipsmodell dieses Utopia in dessen Mitte sich ein gigantischer Platz befand mit der riesigen Skulptur eines Afrikaners - mit zerrissenem Hemd und gesprengten Fesseln, den aufgewühlte Blick und die geballte Faust gen Himmel gerichtet. Auf meine Frage, was aus dem Projekt geworden sei, antwortete Breker mit leiser, resignierender Stimme "Der Präsident ist leider kurze Zeit darauf gestürzt worden"

Gottfried Helnwein
Interview, Marc Fischer und Sven Michaelsen
Eine Tradition der Dunkelheit
Vanity Fair
26. Juni 2008

 

Als ich Arno Breker mit meinem Beyus-Porträt in der Hand fotografierte, hielt er das Bild hoch und murmelte: „Das hätte sich der Beuys aber nicht träumen lassen.“

Gottfried Helnwein
Interview, Marc Fischer und Sven Michaelsen
Eine Tradition der Dunkelheit
Vanity Fair
26. Juni 2008

 

Bilder können eine Eigendynamik, eine Macht entwickeln, die ihren Erzeugern über den Kopf wächst. Aber nicht jedes Bild ist Kunst, und nicht jeder, der ein Bild herstellt ist ein Künstler.

Gottfried Helnwein
Interview, Herbert Schorn
Die Bildende Kunst ist ein Einsames Geschäft
Oberösterreichische Rundschau
07. März 2006

 

Mick Jagger hat einmal gesagt: "Im nächsten Leben wäre ich gerne ein Maler, da kann man weltberühmt sein und keiner erkennt einen auf der Strasse." In der Renaissance waren Maler die Superstars, - Schauspieler und Musikanten waren damals hingegen eher am unteren Ende der Gesellschaft angesiedelt - zusammen mit Gauklern, und Akrobaten. Heute ist es ganau umgekehrt, Schauspieler und Musiker sind die Stars, die Bildenden Künstler spielen dagegen keine grosse Rolle mehr und gehören eher der Freak-Abteilung an.

Gottfried Helnwein
Interview, David Baum
Der Wiener
17. Februar 2006

 

Als Kind erschien mir das höchste Ideal künstlerischer Existenz, Mitglied der Rolling Stones zu sein. Rückwirkend betrachtet finde ich dass ich da nicht ganz falsch gelegen bin, denn Rockmusiker scheinen im Gegensatz zu uns Malern vor allem eines zu haben: more cash and more fun.

Gottfried Helnwein
Interview, Herbert Schorn
Oberösterreichische Rundschau
7. März 2006

 

In Amerika haben die Menschen weit mehr Probleme mit Bildern, die von Schmerz, Verwundung oder Sexualität handeln. Da merkt man eben, dass die USA ein puritanisches , bilderfeindliches Land sind. Dank der katholisch-barocken Bilderorgie der Gegenreformation ist Österreich in dieser Hinsicht vergleichsweise begnadet mit Toleranz.

Gottfried Helnwein
Interview, Thomas Trenkler
Ich Will Nicht als Voll Trottel Sterben, Sondern mit Würde
Parnass,
Kunstmagazin
Februar 2006

 

In unserem materialistischen Zeitalter misst kaum noch jemand der Kunst eine grössere Bedeutung zu, und dabei könnte keine menschliche Gesellschaft ohne sie existieren.
Stellen Sie sich doch bitte einmal die Geschichte der Menschheit vor, so wie wir sie kennen und subtrahieren Sie alles was mit Kunst zu tun hat: Musik, Literatur, Architektur, Malerei, Skulptur, Design, Mode, Tanz, Theater und Film. Was bliebe über? Es gäbe gar kein Geschichtsbewusstsein, da wir die verschiedenen historischen Epochen, bestimmte Erignisse und die Regionen in denen sie stattanden immer mit spezifische Formen von Kultur und Ästhetik verbinden und sie für uns erst dadurch unterscheidbar und erinnerbar werden. Ägypten, Rom, die Renaissance, das Barock - ohne Pyramiden, Tempel, Paläste und Dome, ohne Shakespeare, Michelangelo und Mozart? Auch Religion wäre ohne Kunst und Zeremoniell oder irgend eine Form von Ästhetik für Menschen wahrscheinlich zu abstrakt um erfahrbar zu sein. Nicht einmal ordentliche Kriege wären möglich, weil es ja keine bedeutenden Bauwerke zu zerstören und keine Kunstschätze zu plündern gäbe.

Gottfried Helnwein
Interview, Claudia Werner
Oberösterreichische Nachrichten
2006

 

Das Fernsehen ist ein Indikator für den totalen Zerfall unserer Kultur: Unterhaltungs-Trash und ein nicht enden wollender Reigen an Vollidioten, die für 15 Minuten berühmt sein dürfen.

Gottfried Helnwein
Interview, Marc Kayser
Kunstmagazin, Berlin
März 2004

 

Dekadenz bedeutet, dass eine Gesellschaft ihre Werte, ihre Ideale, ihre Traditionen verliert. Es ist der Triumpf einer kapitalistisch-materialistischen Raubgesellschaft in der es keine anderen Werte mehr gibt, als den finanziellen Profit. Pasolini hat dieses Phänomen schon sehr früh vorausgesehen und vor diesem kommenden "Konsum-Faschismus" gewarnt.
Für die amerikanische Kriegsmaschinerie müssen jährlich mittlerweile ca 500 Milliarden $ aufgebracht werden, und nur der Irak-Krieg alleine wird die Amerikaner 2-3 Trilliarden kosten. Von den Halbwüchsigen, die in diese sinnlosen Schlachten geschickt werden, sterben mittlerweile mehr durch Selbstmord als durch irgendwelche Kampfhandlungen. Für Schulen und Ausbildung werden kaum mehr Mittel zur Verfügung gestellt, das Bildungsniveau ist vielfach unter den Standard der dritten Welt gesunken. Zig-millionen Amerikaner sind miitlerweile abhängig von einer Unzahl illegaler und legaler Psycho-Drogen, die den Markt überschwemmen, und das Leben erträglich erscheinen lassen sollen. Kinder nehmen Maschinenpistolen und mähen andere Kinder nieder, bevor sie sich selbst umbringen, nur um wenigstens posthum für 15 Minuten berühmt zu sein. Ich denke, das kann man getrost als dekadent bezeichnen.

Gottfried Helnwein
Interview, Christoph Hirschmann
Fabrik Helnwein
MADONNA Magazin
20. September 2008

 

Zwischen unserer Generation und der unserer Eltern gab es einen totalen Bruch. Die meisten von uns wollten nichts mit ihnen, ihren Werten, ihren Vorstellungen und ihrer Tradition zu tun haben. Es war ein bisschen wie wenn man sich plötzlich im Luftleeren Raum befindet, - wir hatten die Erdung, den Boden unter den Füssen verloren und mussten uns neu orientieren. Es war eine Phase in der der westlichen Kultur, in der ästhetische Anarchie die einzig sinnvolle Äusserung zu sein schien.

Gottfried Helnwein
Gespräch mit Peter Nedoma
Direktor der Galerie Rudolfinum Prag
2008

 

Bei meiner ersten Ausstellung 1971 im Wiener Künstlerhaus waren eines Tages alle meine Bilder mit gelben Stickers überklebt, auf denen "Entartete Kunst" stand. Von da an wusste ich, dass ich immer Gegenwind haben würde. Es sieht so aus, als hätte ich den Finger immer wieder auf den richtigen Punkt gelegt, sonst wären so viele Emotionen, Aggressionen und die Aufregung als Reaktion auf meine Arbeiten gar nicht möglich. Das gemalte Bild selbst kann nicht der Grund gewesen sein, weil es ja eine Fiktion ist - zweidimensional, nur ein paar Milligramm Farbe auf Papier oder Leinwand - das ist alles, das tut nicht weh.
Es ist nicht mein Bild, vor dem sich die Leute fürchten, sondern es sind ihre eigene Bilder in ihren Köpfen. Meine Arbeiten sprechen offensichtlich etwas an, das im Unterbewusstsein des Betrachters schon vorhanden ist. Wenn es mir gelingt, den Finger manchmal an die richtige Stelle zu legen, habe ich das Gefühl, meine Arbeit hat einen Sinn.
Und der Tag, an dem mich die Spießergesellschaft umarmen würde, wäre der Tag, an dem ich meine künstlerische Arbeit beenden würde. Dann wüsste ich, ich habe etwas falsch gemacht.

Gottfried Helnwein
Interview, Andreas
März 2005

 

Man hat mich attackiert, meine Arbeiten überklebt und beschlagnahmt, kaum, dass ich in Österreich meine ersten Ausstellungen hatte. Eine von Kurt Falk veranstaltete Ausstellung im Pressehaus wurde nach drei Tagen abgehängt, und meine Installation vor dem Museum Ludwig in Köln von Unbekannten mit Messern zerschnitten.

Gottfried Helnwein
Interview, Heinz Sichrovsky
News, Wien
Wir Leben in der Endzeit
07. März 2006

 

Ich glaube, jede Gesellschaft hat die Kunst die sie verdient. Kein Künstler ist völlig autark, zu einem gewissen Grad wird jeder Künstler auf die Gesellschaft und die Phänomene seiner Zeit auf die eine oder andere Weise reagieren.
Ich habe ursprünglich nichts von der Existenz der Wiener Aktionisten gewusst. Aufmerksam wurde ich auf diese Gruppe das erste mal ende der 60er Jahre, als sie mit Ihrer sogenannten "Uni-Ferkelei" die Boulevardpresse in Exstase verstzte. Aber was da bei dieser Aktion eigentlich geschehen ist, wusste niemand, da die Presse damals derartige Schweinereien noch nicht beim Namen nennen, und nur unbeholfen umschreiben konnten.
Ich denke diese Art der ästhetischen Reaktion lag damals in Wien einfach in der Luft, denn diese Stadt war zu dieser Zeit ein wahrhaft dunkler Ort.
Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, was alles geschehn war in den 30 vorangegangenen Jahren:
Zusammenbruch der Monarchie, in der sich die Wiener als Zentrum der Welt verstanden, mit einem Kaiser als Symbol Ihrer Wichtigkeit, Pracht und Superiorität. Absturz in ein kümmerliches Zwergendasein, Austrofaschismus, Bügerkrieg, Nazi-Wahnsinn, Auslöschung des Begriffes "Österreich", und die Reinigung Europas von Juden und anderen "Untermenschen", die jedoch für die einzigartige Kunst und Kultur Österreichs immer so wesentlich und unverzichtbar waren. Bombardierung, Kriegsgefangenschaft, bedingungslose Kapitulation nach dem nun schon zweiten verlorenen Weltkrieg, und schliesslich die von den Siegern verordnete Demokratie.
Wien war damals wie eine stehendes, fauliges Gewässer, Es gab keinen Sauerstoff, nichts bewegte sich, keiner wagte aufzumucken und die ehemaligen Nazis moderten und fermentierten vor sich hin.

Gottfried Helnwein
Gespräch mit Peter Nedoma
Direktor der Galerie Rudolfinum Prag
2008

 

Als ich 16 war, habe ich Tag und Nacht nur an eines gedacht: die Revolution. Einfach alles sabotieren und kaputt machen und diesen ständigen Fluss an Mittelmäßigkeit, Intoleranz und Stupidität der Autoritäten unterbrechen: Das war mein Sehnen und Streben. Mir erschienen Umsturz, Anarchie und Ekstase, die einzig möglichen Antworten auf dieses erstarrte System.
Als wir uns die Haare ein bisschen länger wachsen liessen, obwohl sie die Ohren ja kaum berührten, wurde uns auf der Strasse nachgerufen: "Ihr Gesindel gehört's vergast!" und man bewarf uns mit Steinen. Es gab Lokale mit der Aufschrift: "Für Gammler, Hippies und ähnliches Gesindel Eintritt verboten".
Ich erinnere mich als ich das erste mal die Beatles sah, das war In der "Fox Tönenden Wochenschau", dem damals übliche Nachrichten-Vorpann im Kino. In Ihren engen Anzügen und ihren Pilzfrisuren schritten sie die Gangway eines Fluzeugs hinunter. Da hub ein Raunen an in der Zuschauermenge und jemand rief: „Der Hitler gehört wieder her! Der würde mit diesem Abschaum aufräumen!

Gottfried Helnwein
Interview, Marc Fischer und Sven Michaelsen
Eine Tradition der Dunkelheit
Vanity Fair
26. Juni 2008

 


Fest steht, dass im Moment große Verwirrung herrscht. In den siebziger Jahren war die Welt noch in Ordnung: Da hat man gewusst, es gibt die Linken, die Fortschrittlichen, es gibt die, die für eine multikulturelle Gesellschaft sind, und die, die gegen Ausländer sind. Und man hat gewusst: Das andere Lager, das sind die Rechten, die Spießer, die „Nazis“. Das ist jetzt vorbei. Im Moment bricht alles zusammen, die Glaubenssysteme, die Werte, die Grenzen – alles verändert sich. Wenn man sich zum Beispiel in Deutschland die Generation der sechziger Jahre anschaut, Leute wie Schily, Fischer und Mahler, die am extrem linken Rand angesiedelt waren – die der RAF nahestanden, die das System zerstören und durch ein neomarxistisches ersetzen wollte. Sie haben den sogenannte "Marsch durch die Institutionen"angetreten: ganz links unten sind sie hinein marschiert und ganz recht oben sind sie wieder herausgekommen.

Gottfried Helnwein
Interview, Herbert Lackner
Profil
Gottfried Helnwein und Manfred Deix über den Karikaturenstreit, Meinungsfreiheit und das Urteil im Irving-Prozess
25. Februar 2006

 

Die Wiener haben immer eine Nähe zum Tod und zum Wahnsinn gehabt. Wien ist eigentlich wie die Verlängerung vom Zentralfriedhof und man hat nicht ganz zu Unrecht immer von der Lust am Untergang gesprochen. Aber diese Sehnsucht zum Dunklen und zum Abründigen hat in diesem seltsamen Biotop ungeheuer Kreative Energien freigesetzt - in der Malerei, in der Musik, auf der Bühne, in der Literatur. Und sie hat die Weltgeschichte um ein paar erstaunliche Gestalten bereichert, Freud, Hitler, Herzl, Schiele, Messerschmidt, Sacher-Masoch, Gustav Mahler, Thomas Bernhard. Meine Kunst ist sicher geprägt durch diese Tradition.

Gottfried Helnwein
Interview, Marc Kayser
Kunstmagazin, Berlin
März 2004

 

Durch die zeitliche und räumliche Distanz fiel es mir auch leichter die Qualitäten Österreichs zu erkennen, und vor allem die seiner grossen kulturellen Vergangenheit. Mir ist auch klar geworden, dass meine eigene Arbeit zutiefst in dieser Tradition verwurzelt ist. Mit ihr fühle ich mich verbunden, mit Kafka, Schiele, Franz Xaver Messerschmidt, Rainer, Mahler, Schubert, Haydn und Mozart, mit Künstlern wie Joseph Roth, H.C. Artmann, Wolfgang Bauer, Elfriede Jelinek.
Leben würde ich in Wien jedoch nicht so gerne, denn ich erinnere mich an die vielen Intriganten, an all die freundlich grinsenden Leute, die einem sofort das Messer in den Rücken rannten, wenn man sich umdrehte. Schon als Kind wollte ich nicht in Wien leben, ich hatte bereits damals das Gefühl, am falschen Ort gelandet zu sein. Für mich hatte Wien etwas zutiefst abgründiges, bösartiges und gefährliches, das mich mit Furcht erfüllte. Ich wollte die Stadt bereits als 14jähriger verlassen, aber Wien hat so eine seltsame Gravitation - man kommt nicht los. Zwei verlorene Weltkriege und der völlige Zusammenbruch mehrerer Systeme, vor allem aber der Absturz von einem Weltreich zu einem winzigen amputierten Etwas, das damals fast völlig vom eisernen Vorhang eingeschlossen war, hat sicher zu dieser Stimmung beigetragen. Wenn ich heute nach Wien zurückkomme, sehe ich dass sich die Stadt völlig verändert hat und viel von der alten Grösse und Gelassenheit zurückgewonnen hat.

Gottfried Helnwein
Interview, Helmut Sorge
Los Angeles, 2006

 

Von diesem Jahrhundert wird Walt Disney bleiben, nicht Joseph Beuys.

Gottfried Helnwein
Stern Magazin
Hamburg, 1979

 

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