Gottfried
Helnwein im Gespräch
mit
Andreas Mäckler
Die Interviews mit Gottfried Helnwein fanden
statt am 13. / 14. Juli und wurden am 21. / 22. September 1990 fortgesetzt.
Mein herzlicher Dank gilt Renate
Helnwein, deren freundliche Unterstützung die Zusammenarbeit sehr angenehm
gemacht hat, und Matthias Politycki vom Verlag C. H. Beck. Bruni Maier schließlich
half in allen Phasen der Manuskripterstellung und teilte mit mir die Begeisterung
für dieses Projekt - ihr sei besonders gedankt.
Andreas Mäckler.

Gottfried Helnwein, "Beautiful Victim I", 1974, watercolor
on cardboard, 21" x 29"
I. Die Biographie als Gesamtkunstwerk
Die Kindheit, der Katholizismus und Donald Duck. Die Schule bei den frommen Ordensbrüdern. Die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt. Die Akademie, Rudolf Hausner und die Revolution. Abschied von der Alma mater - Die frühen Jahre danach. Kunst für alle - Der internationale Durchbruch. Plakate und viel Theater - Skandale vor den heiligen Hallen Dem Olymp der Hochkunst entgegen - Die zweite Hälfte der achtziger Jahre. Vom Bühnenbild zur Inszenierung.
Gottfried Helnwein
II. Selbstporträt und MenschenbildDer Stellvertreter als Revolutionär Das Porträt als Rollenspiel
Gottfried Helnwein
III. Stars - Die Heiligen der IndustriekulturMalerei muß sein wie Rockmusik Die Idole des 20. Jahrhunderts
Gottfried Helnwein
IV. Masse und Museum - Über KunstTheorie, Kritik und Malerei Die unendliche Reproduktion als künstlerische Herausforderung Es gibt keine Tabus mehr - Im Kontext der Postmoderne Publikationsverzeichnis
(Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Maeckler,Verlag C.H.Beck, Seite 6)
Die Kindheit, der Katholizismus und Donald Duck
MÄCKLER: "Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu Dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Schabefleisch aus Dir, aus dem Rücken macht er Sülze, aus dem Hintern macht er Speck."
Kennen Sie - am 8. Oktober 1948 in Wien geboren - diese Zeilen?
HELNWEIN: Ich weiß, die Verse sind im Zusammenhang
mit mir zitiert worden (Cash, 20. Juli 1990, S. 20), aber ich kannte sie nicht.
Das gehört zu den Erfindungen der Medien. Was ich wiedergegeben habe, waren
die Geschichten, die meine Großmutter mir erzählt hat.
Meine Großmutter hat mich sehr beeindruckt in meiner Kindheit, weil sie
die dominierendste Figur in der Familie war. Sie beherrschte alles, aristokratisch,
hoch aufgerichtet, fast diktatorisch. Mir imponierte das, weil sie sehr klar
wirkte und immer gewußt hat, was sie wollte.
Sie hat uns sehr oft Geschichten erzählt, unter anderem immer wieder jene
vom Haarmann. In ihrer Geschichte war er ein Fleischhauer (Fleischer), der die
Leute in sein Geschäft gelockt hat und wo dann viele nicht mehr herausgekommen
sind: man hat gerätselt... Er hatte - so erzählte sie - vor der Theke
eine Falltüre eingebaut, ließ die Leute runterfallen, hat sie dann
später im Keller geschlachtet und aus ihnen Fleisch und Wurst gemacht.
Die Leute wunderten sich, daß das Fleisch so süßlich schmeckte,
und als sie irgendwann hörten, daß Menschenfleisch einen süßen
Geschmack hat, wurde er überführt: Das hat mich ungeheuer beeindruckt.
- Das ist die Geschichte, die ich kenne, aber nicht diesen Liedtext.
(Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Maeckler,Verlag C.H.Beck, Seite 7)
Dann erzählte sie mir noch Geschichten aus
Kroatien, wo sie herkommt. Sie hat uns z. B. immer wieder gesagt, man dürfe
nie mit offenem Mund schlafen. Da habe ich einmal gefragt:
"Warum?"
"Ja, es gab einmal einen Jungen in Kroatien", sagte sie, "der schlief auf einer
Wiese mit offenem Mund. Da ist eine Schlange in seinen Bauch hineingekrochen.
Man mußte den Jungen an den Füßen aufhängen, mit dem Kopf
nach unten über einem großen Kessel voller Milch. Die hat man zum
Kochen gebracht, denn wenn Schlangen Milch riechen, kriechen sie da hin. Also
ist die Schlange aus dem Mund wieder herausgekrochen und in den heißen
Topf gefallen."
Seitdem hatte ich immer Angst, wenn ich beim Schlafen den Mund offenließ.
- Also, solche Geschichten hörte ich viel.
MÄCKLER: Sind das gleichzeitig auch die ersten Erinnerungen an Ihre Kindheit, oder welche würden Sie schildern?
HELNWEIN: Die allererste Erinnerung? Dunkle Räume. Nach dem Krieg haben wir irgendwo in Wien zur Untermiete gewohnt. Sehr dunkle, große, hohe Räume aus der Gründerzeit - daran kann ich mich erinnern -, riesige, hohe Türen, und es war immer still, immer finster; es war sehr depressiv. Ich habe das als Kleinkind schon wirklich so empfunden, alles war sehr schwer, apathisch, kaum Geräusche, hier und da Schritte vielleicht, und ich mußte dort sitzen und auf irgend jemanden warten. Ich hatte so einen roten Teddybären, das weiß ich noch.
MÄCKLER: Wie würden Sie Ihre Mutter in diesem Ambiente darstellen ?
HELNWEIN: (Lange Pause) Die Mutter - schwer zu sagen. Wenn ich an die Mutter denke, habe ich die Erinnerung, daß sie meistens tagsüber auf dem Bett lag und Jerry Cotton-Hefte gelesen hat und Allan-Wilton-Kriminalromane, das ist das, woran ich mich erinnere; daß sie sehr gelassen war und nicht wirklich involviert in meine Angelegenheiten.
(Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Maeckler,Verlag C.H.Beck, Seite 8)
MÄCKLER: Sie wurden streng erzogen, katholisch?
HELNWEIN: Ja, katholisch wurden wir schon erzogen
- der Katholizismus war ganz wichtig, denn das Haus, in dem ich lebte, war eins,
in dem dreizehn streng katholische Familien lebten -- eine Insel im roten Meer,
denn rundherum lebten nur Arbeiter, Sozialisten und Kommunisten - ein richtiger
Arbeiterbezirk.
Meine Großmutter war eine kämpferische Sozialdemokratin gewesen;
sie hat ihren Mann in einer Fabrik im kaiserlichen Wien kennengelernt, als junge
Fabrikarbeiterin. Sie sind beide aus der Kirche ausgetreten, noch in der Monarchie,
glaube ich; beide waren wirklich überzeugte, kämpferische Sozialdemokraten.
Und ich fand ihr Leben sowie dasjenige meiner väterlichen Großeltern
- sie waren Bauern - auch immer viel interessanter als das Leben meiner Eltern.
Meine Mutter war also in einem sozialdemokratischen Haushalt aufgewachsen. Damals
hatte so etwas noch viel mit Überzeugung zu tun. Aber aus einer Protesthaltung
gegen die Eltern oder aus einem sonstigen Grund ist sie zum Katholizismus konvertiert.
Daher wurde ich sehr streng katholisch erzogen. Die einzigen Informationen,
die ich als Kind gekriegt habe, betrafen das liebe Jesulein und irgendwelche
Heiligen - alles hat sich darum gedreht ... und um die Adventszeit und die Mai-Andacht.
(Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Maeckler,Verlag C.H.Beck, Seite 9)
Meine Eltern haben sich sogar von der Kirche die
Erlaubnis geholt, daß wir zur Frühkommunion und Frühbeichte
gehen konnten - nicht mit sieben Jahren, wie alle anderen Kinder, sondern mit
fünf. Wir mußten mit fünf Jahren schon beichten, daß wir
unkeusch gewesen waren. Meine Schwester und ich bekamen sogar extra Unterricht
von einer Seelsorgerin und mußten dann vor Weihnachten in eine kleine
Krippe für jede Sünde ein Steinchen hineinlegen, auf denen das Jesuskind
dann schlecht liegen würde - und für jede gute Tat einen kleinen Strohhalm.
Oder es gab eine Dornenkrone, und für jede gute Tat durften wir eine rosafarbene
Papierrose hineinflechten.
In der Adventszeit veranstalteten die Leute im Haus bei uns das sogenannte "Herbergs-Singen".
Von Tor zu Tor gingen sie singend mit irgendeinem Bild vom herbergssuchenden
heiligen Josef, und nach Weihnachten kamen wieder die Sternsinger und schnorrten
überall herum - das ganze Leben war kirchlich bestimmt. In der Adventszeit
zum Beispiel mußten wir jeden Tag um sechs Uhr morgens in die Messe gehen;
im Mai war wieder die Mai-Andacht, da mußten wir jeden Abend hin: "Maria
zu lieben ist allzeit mein Sinn" oder "Jesu drücke deine Schmerzen tief
in aller Christen Herzen".
Das war die Quintessenz des ganzen, und das sind die Erinnerungen, die ich habe
- Katholizismus pur; und die einzige Gegenwelt, die ich dazu kennenlernte, waren
zum einen die Erzählungen meiner Großmutter, Horrorgeschichten, Erzählungen
vom Krieg, und dann, viel wichtiger: die wirklich positive Gegenwelt, meine
Religion, das war Donald Duck, das war Entenhausen.
(Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Maeckler,Verlag C.H.Beck, Seite 10)
MÄCKLER: Ihr Vater brachte Ihnen Walt-Disney-Hefte nach Hause. Wann war das?
HELNWEIN: Ich konnte nicht lesen und schreiben.
Wann kam ich in die Schule? 1955 - also, ich schätze, etwa 1953, da war
ich gerade fünf Jahre alt. Damals war mein Kinderzimmer nachts in ein tiefes
rotes Licht getaucht - meine Spielsachen, die Möbel, mein Bett, meine Hände
-, alles hatte die gleiche Farbe und schien aus demselben weichen Material zu
sein. Als wären die Naturgesetze aufgehoben, schien alle Materie von innen
heraus zu glühen.
Die Ursache dieser roten Wundernächte war der riesige leuchtende Stern
der Roten Armee auf dem Dach der Fabrik gegenüber, der nachts seine Glut
in meine Kinderstube goß. Die Tage hingegen waren grau, zäh wie Schleim
und von grenzenloser Langeweile; alles erschien mir unwirklich und häßlich.
Es war das Wien der Nachkriegszeit, in dem ich aufgewachsen bin. Ich lebte mit
meinen Eltern in Favoriten, einem traditionellen Wiener Arbeiterbezirk, der
damals zur sowjetischen Besatzungszone gehörte. Das Haus, in dem wir wohnten,
fristete ein kümmerliches Dasein zwischen einer Gießerei aus der
Jahrhundertwende und einem grauen Monstrum von Fabrikanlage aus der Nazizeit,
welches nun auf dem Dach das Zeichen seiner neuen Herren trug, eben jenen gewaltigen
roten Stern.
In meiner Erinnerung ist alles rostig und staubig. Die Straßen waren wie
ausgestorben, nichts bewegte sich, niemand sprach. Die wenigen Menschen, die
ich sah, waren gedrungen, unförmig, gebeugt. Ich kann mich nicht erinnern,
jemals irgend jemanden singen gehört zu haben. Eine Welt, die stillstand,
ohne Geräusch, ohne Farbe, ohne Bewegung, nur manchmal durchbrochen von
einem klobigen Lastwagen, der, vollbeladen mit russischen Soldaten, mit Karacho
durch die Straßen fuhr. Dann war es wieder still.
Ich hatte das Gefühl, das höchste Ziel der Menschen um mich herum
war, übersehen zu werden. Das einzige, was sie zu fürchten schienen,
war aufzufallen, entdeckt zu werden.
(Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Maeckler,Verlag C.H.Beck, Seite 11)
MÄCKLER: Eine Stadt spielt "Toter Mann"?
HELNWEIN: Es war eine Welt wie nach einem - wienerisch
-schlampigen Weltuntergang, wo eben doch ein paar überlebt hatten, die
nun vorsichtig geduckt in den Trümmern weiter dahinvegetierten, in der
Hoffnung, der Ewige Richter möge sie übersehen.
Ich dämmerte in dieser Schattenwelt wie im Valiumrausch dahin, bis eines
Tages mein Vater vom Büro nach Hause kam, ein in braunes Packpapier eingeschlagenes
Paket vor mich hinstellte und den Spagat (Schnur), der es zusammenhielt, mit
seinem Taschenmesser durchtrennte. Vor mir quoll die bunte Pracht der ersten
deutschen Mickymaus-Hefte auf den Parkettboden.
Als ich das erste Heft öffnete, fühlte ich mich wie einer, der bei
einem Grubenunglück verschüttet worden war und nun nach den Tagen
der Finsternis wieder ans Tageslicht trat. Ich blinzelte, weil sich meine Augen
noch nicht an das gleißende Licht von Entenpausen gewöhnt hatten,
und sog gierig die frische Brise, die vom Geldspeicher Dagobert Ducks herüberwehte,
in meine staubigen Lungen. Ich war wieder daheim in einer vernünftigen
Welt, in der man von Straßenwalzen plattgewalzt und von hundert Kugeln
durchlöchert werden konnte, ohne Schaden zu erleiden; ich war in einer
Welt, in der die Menschen wieder anständig aussahen, mit gelben Schnäbeln
oder schwarzen Knäufen als Nase. Und hier traf ich auch jenen Mann, der
mein Leben verändern sollte, von dem der österreichische Poet H. C.
Artmann sagt, er sei der einzige Mensch, der uns heute noch etwas zu sagen habe:
Donald Duck.
MÄCKLER: Wie das?
HELNWEIN: Nach all den Jahren der Entbehrung jeglicher
Kunst und Ästhetik hatte mich eine große Kultur umarmt. Ich sah die
sagenhaften "Sieben Städte von Cibola", wühlte mit Donald und seinen
Neffen im funkelnden Geschmeide in den Schatzkammern versunkener Paläste.
Es war mir ein Hochgenuß, mit dem alten Bankier Duck wie ein Seehund in
dessen dreizehn Trilliarden hineinzuspringen, wie ein Maulwurf darin herumzuwühlen
und die Taler in die Luft zu schmeißen, daß sie uns auf die Glatzen
prasselten. Und nicht zuletzt der Umgang mit Leuten wie Schmu Schubiak, Kasimir
Keiler, dem Haarigen Harry oder Sebastian Sandig (genannt der Wüstenwastl)
schärfte mein Auge für die Einschätzung meiner Mitmenschen -
und in jenen Jahren eignete ich mir eine Menschenkenntnis an, die mich nie mehr
getrogen hat.
Es gibt Leute, für die (Disney-)Comics eine ganz ähnliche Bedeutung
bekamen: für Steven Spielberg zum Beispiel oder auch für Manfred Deix.
Ich traf immer wieder Leute, in deren Kindheit der Barks'sche Donald Duck wie
ein Meteor aus einem anderen Universum eingeschlagen ist - das war für
mich ebenso. Aber jemand, der das nicht so intensiv erlebt hat, kann das vielleicht
kaum nachvollziehen.
(Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Maeckler,Verlag C.H.Beck, Seite 12)
MÄCKLER: Zählt zu den biographisch bedeutenden Personen auch Ihr Großvater? Haben Sie ähnlich intensive Erinnerungen an ihn wie an Ihre Großmutter?
HELNWEIN: Nein. Was mir von meinen frühen Erinnerungen erwähnenswert scheint, ist vor allem der Katholizismus, der einfach überwältigend war in seiner gewaltigen Inszenierung, dem Geruch von Wachs und Weihrauch, Frühaufstehen, Beichtgeflüster, Geklingel und den Darstellungen der Gefolterten rundherum. Wenn ich in der Kirche saß und mich umblickte, sah ich folgendes: Christus wird gegeißelt, stürzt zum ersten Mal unter dem Kreuz, dann zum zweiten Mal, wird mit Dornen gekrönt: "Ein Soldat öffnet die Seite des Herrn mit einer Lanze und sogleich floß Blut und Wasser heraus." - Sankt Steppanus wird gesteinigt, Katharina gerädert, Sebastian windet sich verzückt, von Pfeilen durchbohrt: heilige Wundmale, heilige Marterwerkzeuge, heilige Leichname - das war das eine. Und das andere war Walt Disney: die totale Gegenwelt, fröhlich und positiv, voller Wunder. Das dritte, was mir von der Intensität her noch einfällt, sind die Momente auf dem Bauernhof bei meinen Großeltern: das war ebenfalls gewaltig und phantastisch.
(Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Maeckler,Verlag C.H.Beck, Seite 13)
MÄCKLER: Und die skurrilen Erzählungen Ihrer Großmutter gehören ebenfalls dazu?
HELNWEIN: Ja, aber die kamen von der Großmutter in Wien. Vom Lande sind mir die Tiere in Erinnerung, die Natur, der Geruch, und die Freiheit vor allem, daß sich niemand um mich gekümmert hat. Ich konnte abhauen den ganzen Tag - tun, was immer ich wollte. Mein Großvater vom Land, der würde mir auch noch einfallen; er hat mir als kleines Kind imponiert, weil er so ruhig war, anders als die anderen. Er war noch ein Mensch aus der Monarchie, mit Weste, Uhrkette, Schnurrbart, dem aufgedrehten, und Stiefeln - ganz anders als die moderne Zeit-, das hat mir gut gefallen.
MÄCKLER: Ihren Vater - wie würden Sie ihn schildern?
HELNWEIN: Er hat mir das erste Mickymaus-Heft überreicht.
(Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Maeckler,Verlag C.H.Beck, Seite 14)
MÄCKLER: Ist nun nichts weiter erinnerungswürdig, oder wie kann man sich Ihre frühe Kindheit vorstellen?
HELNWEIN: Bezüglich der frühen Kindheit kann ich mich überhaupt nicht so sehr an die Eltern erinnern oder an meine Geschwister.
MÄCKLER: Sie haben drei Schwestern?
HELNWEIN: Ja, aber mir fällt nichts ein, was ich darüber erzählen könnte.
MÄCKLER: Es gibt eine Fotografie, die Sie im "Kindergartenorchester" zeigt - spielten Sie damals schon ein Instrument?
HELNWEIN: Nein, das war ein Leierkasten. Im Kindergarten dämmerte ich dahin wie ein Schaf, überwacht von Nonnen. Die katholische Kirche hatte mich fest im Würgegriff, von Geburt an. Ich aber wollte in eine andere Welt, nach Entenhausen - das war meine große Sehnsucht.
MÄCKLER: Aber erst einmal mußten Sie in die Schule gehen.
gottfried-helnwein-interview.com
Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Mäckler
Verlag C. H. Beck München 1992
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